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mosaik



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... all the time ...
Gewinnen - Verlieren - Leben

Ich werde gewinnen, auch wenn ich verlieren werde, ihn, diesen Mann, für den ich und wegen dem ich den Schritt zurück ins Leben, in mein Leben wage. Für den ich den Kampf aufgenommen habe, halb ängstlich, halb hoffnungsvoll.

Jahrzehnte schlief ich den Schlaf des Dornröschens, eingewickelt in die schweren, dicken Decken der Gewohnheit, der Pflicht und der erdrückenden Verpflichtung. Am Ende war es nicht mehr ein Schlafen, sondern ein Sterben. Tot bereits im Leben. In einem Leben, welches nicht stattfand, sondern nur erträumt, ersehnt war.

"Später einmal, irgendwann einmal", so verging Jahr für Jahr, Monat für Monat in erstarrter, ängstlicher, resignierter Unbeweglichkeit. Irgendwann einmal. Warten auf dieses "irgendwann einmal". Darauf, dass irgendwas passiert. Darauf, dass ich eines morgens die Augen öffne und alles anders ist. Ich anders bin. Ich ein Leben habe - mein Leben.

Ich werde ihn verlieren. Entweder, weil er nicht solange auf mich warten wird, bis ich mich aus den Trümmern meines Dornröschenschlosses befreit habe, oder weil die Fülle der Lügen, die ich ihm aufgetischt habe, so unerträglich sein wird, dass er an dem Tag, an dem ich ihm die Wahrheit sagen werde, wortlos geht und sich nicht einmal mehr umdreht.

Die Wahrheit. Wahrheit ist für jeden etwas anderes. Selbst ein schöner Junitag kann für den einen viel zu heiß, für den anderen recht kühl sein und jeder hält sein Empfinden für die Wahrheit. Was also ist Wahrheit? Nicht mehr als ein Empfinden? Eine Sicht der Dinge? Eine Tageslaune?

Meine Wahrheit ist, dass ich liebe. Endlich wieder liebe. Und dass ich lebe. Endlich wieder lebe. Und nie wieder sterben möchte, mitten im Leben.

Ich lebe wieder. Dornröschen ist aufgewacht.

12.4.07 12:42


Klaglos geboren

Ich war ein artiges, anspruchsloses und überaus angepasstes Kind. Ich redete nur, wenn ich sicher sein konnte, dass Reden erlaubt war, hampelte nicht beim Essen herum, gab niemals Widerworte, machte, was man mir sagte und auch das, was man mir nicht sagte, von dem ich jedoch wusste, dass es von mir erwartet wurde. Meine Mutter war sehr stolz darauf, dass die Leute mich immer als das besterzogenste Kind nannten, dass sie kannten. Und sie brachte mir bei, Erwachsenen nicht nur die Hand zu geben und in aller Höflichkeit "Guten Tag" zu sagen, sondern überdies auch noch einen albernen "Hofknicks" zu machen. Dass das einfach nur lächerlich war und die damit Bedachten eher irrtiert als erfreut lächelten, bemerkte sie scheinbar nicht, sie sonnte sich in dem Erstaunen und den Bemerkungen, was für ein freundliches Kind ich doch sei. Und ich freute mich an ihrer Freude, denn allzu viel Freude schien meine Mutter nicht zu haben, denn sie klagte oft, weinte oft, betonte, wie sehr sie sich doch aufopfere und wie wenig sie dafür zurück bekäme. Und wagte ich einmal, aus Versehen oder mit Absicht, mich gegen irgendetwas aufzulehnen, und sei es nur, ein fettes und kalorienreiches Essen zu verschmähen, welches sie mit Liebe und unter Mühen zubereitet hatte, wurde ich vor die tränenreiche Frage gestellt, ob das der Dank sei für alles, was sie für mich, und nicht nur für mich, sondern für die ganze Familie tue.

Heute, nach all den Jahren, denke ich, dass meine Mutter krank war und ist. Sie hat auf ihre Art nach Aufmerksamkeit, Bestätigung und Liebe gesucht, denn gearbeitet hat sie mit dem ersten Kind von vieren niemals mehr. Ihr blieben nur Haushalt, Kinder und ein überaus tyrannischer Ehemann, der, ganz die alte Schule, das Sagen hatte und dessen Wohl und Wohlgefühl an erster Stelle standen. Und so stürzte sie sich geradezu verbissen in ihre Pflichten und sich selbst und uns Kinder gleich mit ins Elend und ins lebenslängliche Unglück.

Ich war ein pflegeleichtes, angepasstes, ängstliches und anspruchsloses Kind und eine ebensolche erwachsene Frau. Ich lebte das, was andere von mir erwarteten, was sie als angemessen und erstrebenswert empfanden. Ich gab mich auf, noch bevor ich mich wirklich kannte, noch bevor ich auch nur die leiseste Ahnung hatte, wovon ich, ja ICH selbst, träumte. Und dann traf ich auf diesen Mann - und belog ihn. Ich werde ihn verlieren, an dem Tag, an dem ich ihm die Wahrheit, meine Wahrheit, sagen und alle die Lügen, die er jetzt noch für wahr hält, aufdecken werde. Und doch wird dieser Tag nicht mein Untergang sein, sondern nur ein weiterer Schritt ins Leben. Mein Leben. Endlich wirklich meines.

 

12.4.07 13:29


Eine Schlinge aus Lügen

Wie sagt man einem Mann, den man mit heißem Herzen und abgrundtiefer Sehnsucht liebt, dass man ihn belogen hat, und dieses in so ziemlich allem, was man ihm jemals erzählte? Wie sagt man diesem Mann, dass alles ganz anders ist, dass man ein vollkommen anderes Leben führt, als man ihm weisgemacht hat? Wie sagt man ihm, dass es einen Ehemann gibt und zwei fast erwachsene Kinder und dass man sich mal eben neun Jahre jünger gemacht hat und etliche Kilo zuviel auf den Rippen verschwiegen hat? Wie sagt man diesem Mann, dass er zwar eine andere Frau liebt, als die, die nun vor ihm steht, aber diese Frau ja innen drin dieselbe ist und bei allen Lügen doch mit jedem "ich liebe dich" die Wahrheit gesagt hat? Wie sagt man das einem Mann, ohne von diesem gehasst und verachtet zu werden, oder noch schlimmer, ihn mit Eigenhass zu beladen? Wie also stellt man dieses an?

Internet. Oh, wie habe ich mich amüsiert, im Internet, wie habe ich auf Teufel komm raus geflirtet, gealbert, gelogen und auch sehr erregenden, überaus erotischen Spaß gehabt. Wie sehr habe ich gegrinst, über diese armen Kerle, die einem von mir kreierten Phantom hintergestiegen sind, die mich angeschmachtet haben und mir detailversessen beschrieben, was sie mit mir tun würden, würde ich mich von ihnen ins Bett zerren lassen. Ein schlechtes Gewissen hatte ich deshalb nie. Warum auch? Ich habe ihnen ein paar schöne Momente bereitet, habe ihnen Futter für ihr Kopfkino gegeben, habe ihnen aufregende Onaniemomente beschert und mir gleich mit, daran ist nichts verwerfliches und wer so mit dem Schwanz denkt, der hat es nicht anders verdient. Sicherlich gab es das eine oder andere Herzklopfen und habe ich das eine oder andere Mal gedacht, dass es schade ist, diesen oder jenen Kerl nicht auf andere, auf ehrliche Art und Weise, treffen zu können, aber es kamen immer reichlich Männer nach, da blieb keine Zeit, um lange zu klagen oder gar zu trauern. Konsumwelt Internet: und zisch und klack und weg.

Und dann kam er. Und blieb. Und ich weiss nicht, was ich tun soll. Er wird mich hassen. Und dabei habe ich doch nachher nur nicht mehr gewusst, wie ich das alles erklären soll. Eine Lüge zieht die andere nach sich und irgendwann ist das so ein Riesenberg, dass man nicht einmal mehr den kleinsten Stein herausziehen kann, ohne dass einem das ganze Bergmassiv auf den Schädel stürzt. Er wird mich hassen und verachten. Dabei liebe ich ihn. Wirklich. Ich liebe ihn. Ich glaube, bin mir sicher, dass er der Mann meines Lebens ist. Der Mann, DER MANN, nach dem ich mein Leben lang gesucht habe, ohne es zu wissen. Aber habe ich anderes verdient als Hass und Verachtung? Vermutlich nicht. Wie also sage ich es ihm? Häppchenweise? Oder am Stück?

 

12.4.07 14:13


12 Monate

Ein Jahr habe ich mir selbst gegeben, um mich aus dem zu befreien, was jetzt mein Leben ist, ohne tatsächlich eines zu sein. Ein Jahr, um die, die ich bin gegen die, dich ich gerne wäre auszutauschen.

Ein Jahr, in dem ich mit und gegen Äußerlichkeiten zu kämpfen haben werde, mehr noch jedoch mit Innerlichkeiten. Ich werde meine Familie im Stich lassen, werde Ehemann und beinahe erwachsene Kinder verlassen und auf eigenen Beinen, meinen eigenen Beinen, das Leben leben, welches mir erst in meiner Kindheit und Jugend und dann während meiner leichtfertig eingegangenen Ehe versagt geblieben ist. Ich werde leben. Ich werde ich sein. Ohne Wenn und Aber. Ich habe Angst, aber mehr noch freue ich mich auf meine Zukunft nach dem langen Dornröschenschlaf einer Scheintoten.

Ich werde es schaffen, werde keinen Schritt zur Seite weichen, werde mich aus dem Netz der Pflichten und Verpflichtungen befreien und aus den Schuldgefühlen, die mir anerzogen worden sind und welche mich in meinem eigenen Tun und Handeln gelähmt haben, solange ich denken kann.

Ich will leben. Und lieben. Ich werde leben. Und lieben.

 

12.4.07 14:56


Familienbande

Mein Vater war ein Tyrann, dem ich weitgehendst aus dem Wege ging. Sein Anteil am Familienleben beschränkte sich auf die Ausübung seines Beruf, dem er sehr gewissenhaft nachging und mit dem er als Alleinverdiener finanziell für uns alle sorgte und darauf, uns ebenso gewissenhaft zu ignorieren, solange alles um ihn herum reibungslos und seinen Erwartungen entsprechend ablief. Zur Kenntnis nahm er uns erst dann, wenn einer von uns aus der Reihe tanzte, es in der Schule nicht klappte oder wir gar in dem winzigen Rahmen, den wir uns überhaupt getrauten, aufmümpfig wurden. Dann stieg er von seinem Thron weit über uns herab, plusterte sich auf und brüllte uns an, dass sie Wände wackelten. Nicht die Lautstärke war es, die mir weh tat und mich einschüchterte, sondern der Inhalt seines Geschreies, welcher herabsetzend, verletzend, entwürdigend, ja geradezu vernichtend war.

Enttäuschung. Immer war von Enttäuschung die Rede. Davon, dass ich den Erwartungen und Hoffnungen meiner Eltern nicht gerecht werde, dass sie von mir anderes, besseres erwartet hätten. Davon, dass ich undankbar sei und ihre Bemühungen, mir ein besseres Leben als das ihre zu ermöglichen, mit Füßen trete. Davon, dass ich die ganze Familie mit meinem Verhalten besudele, dass die Leute auf mich, auf uns alle, zeigen werden, voller Spott und Häme. Und dann, wenn er gebrüllt und getobt hatte, bis ihm die Stimme versagte, wenn er erschöpft zusammensank und sich an sein schwaches Herz griff und wenn meine Mutter mir einen entsetzten Blick zugeworfen hatte und mich mit bitterster und bittender Stimme zugleich - ich kenne niemanden sonst, der diese anklagende und gleichzeitig flehende Mischung so gut beherrscht - zurecht wies, weil mein Vater sich wegen mir so aufregen musste - wo er doch aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit überhaupt gar keine Aufregung vertrage - kam das Schweigen. Versteinerte Mienen. Schweigen. Stundenlang. Tagelang. Wochenlang. Schweigen. Als wäre ich gar nicht da. Als gäbe es mich nicht. Als wäre mein Anblick zu beleidigend, um mich überhaupt noch wahrzunehmen.

Nach einiger Zeit, Tagen oder Wochen, wich die versteinerte Miene wieder dem mäßig interessierten Alltagsgesicht und die absichtliche Nichtbeachtung wurde wieder zu der tatsächlich desinteressierten. Alle taten so, als wäre nichts gewesen, auch die Wunden, von demütigenden Worten geschlagen, taten so, als wären sie nicht vorhanden.

 

13.4.07 11:45


Samstagsdialog

In der Sportschau läuft ein Ausschnitt eines Spieles vor etlichen Jahren.

Ich: "Hm. Früher waren die Sporthosen aber irgendwie knackiger. Kürzer."

Er: "Ja, stimmt."

Ich: "Warum sind die jetzt länger? Hat da zu oft mal ein Ei rausgeguckt?"

Er: *lacht* "Früher waren die Eier kürzer. Heute sind die Hosen länger."

 

 

15.4.07 11:47




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