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Gegenwart

Eine Schlinge aus Lügen

Wie sagt man einem Mann, den man mit heißem Herzen und abgrundtiefer Sehnsucht liebt, dass man ihn belogen hat, und dieses in so ziemlich allem, was man ihm jemals erzählte? Wie sagt man diesem Mann, dass alles ganz anders ist, dass man ein vollkommen anderes Leben führt, als man ihm weisgemacht hat? Wie sagt man ihm, dass es einen Ehemann gibt und zwei fast erwachsene Kinder und dass man sich mal eben neun Jahre jünger gemacht hat und etliche Kilo zuviel auf den Rippen verschwiegen hat? Wie sagt man diesem Mann, dass er zwar eine andere Frau liebt, als die, die nun vor ihm steht, aber diese Frau ja innen drin dieselbe ist und bei allen Lügen doch mit jedem "ich liebe dich" die Wahrheit gesagt hat? Wie sagt man das einem Mann, ohne von diesem gehasst und verachtet zu werden, oder noch schlimmer, ihn mit Eigenhass zu beladen? Wie also stellt man dieses an?

Internet. Oh, wie habe ich mich amüsiert, im Internet, wie habe ich auf Teufel komm raus geflirtet, gealbert, gelogen und auch sehr erregenden, überaus erotischen Spaß gehabt. Wie sehr habe ich gegrinst, über diese armen Kerle, die einem von mir kreierten Phantom hintergestiegen sind, die mich angeschmachtet haben und mir detailversessen beschrieben, was sie mit mir tun würden, würde ich mich von ihnen ins Bett zerren lassen. Ein schlechtes Gewissen hatte ich deshalb nie. Warum auch? Ich habe ihnen ein paar schöne Momente bereitet, habe ihnen Futter für ihr Kopfkino gegeben, habe ihnen aufregende Onaniemomente beschert und mir gleich mit, daran ist nichts verwerfliches und wer so mit dem Schwanz denkt, der hat es nicht anders verdient. Sicherlich gab es das eine oder andere Herzklopfen und habe ich das eine oder andere Mal gedacht, dass es schade ist, diesen oder jenen Kerl nicht auf andere, auf ehrliche Art und Weise, treffen zu können, aber es kamen immer reichlich Männer nach, da blieb keine Zeit, um lange zu klagen oder gar zu trauern. Konsumwelt Internet: und zisch und klack und weg.

Und dann kam er. Und blieb. Und ich weiss nicht, was ich tun soll. Er wird mich hassen. Und dabei habe ich doch nachher nur nicht mehr gewusst, wie ich das alles erklären soll. Eine Lüge zieht die andere nach sich und irgendwann ist das so ein Riesenberg, dass man nicht einmal mehr den kleinsten Stein herausziehen kann, ohne dass einem das ganze Bergmassiv auf den Schädel stürzt. Er wird mich hassen und verachten. Dabei liebe ich ihn. Wirklich. Ich liebe ihn. Ich glaube, bin mir sicher, dass er der Mann meines Lebens ist. Der Mann, DER MANN, nach dem ich mein Leben lang gesucht habe, ohne es zu wissen. Aber habe ich anderes verdient als Hass und Verachtung? Vermutlich nicht. Wie also sage ich es ihm? Häppchenweise? Oder am Stück?

 

12.4.07 14:13


Gewinnen - Verlieren - Leben

Ich werde gewinnen, auch wenn ich verlieren werde, ihn, diesen Mann, für den ich und wegen dem ich den Schritt zurück ins Leben, in mein Leben wage. Für den ich den Kampf aufgenommen habe, halb ängstlich, halb hoffnungsvoll.

Jahrzehnte schlief ich den Schlaf des Dornröschens, eingewickelt in die schweren, dicken Decken der Gewohnheit, der Pflicht und der erdrückenden Verpflichtung. Am Ende war es nicht mehr ein Schlafen, sondern ein Sterben. Tot bereits im Leben. In einem Leben, welches nicht stattfand, sondern nur erträumt, ersehnt war.

"Später einmal, irgendwann einmal", so verging Jahr für Jahr, Monat für Monat in erstarrter, ängstlicher, resignierter Unbeweglichkeit. Irgendwann einmal. Warten auf dieses "irgendwann einmal". Darauf, dass irgendwas passiert. Darauf, dass ich eines morgens die Augen öffne und alles anders ist. Ich anders bin. Ich ein Leben habe - mein Leben.

Ich werde ihn verlieren. Entweder, weil er nicht solange auf mich warten wird, bis ich mich aus den Trümmern meines Dornröschenschlosses befreit habe, oder weil die Fülle der Lügen, die ich ihm aufgetischt habe, so unerträglich sein wird, dass er an dem Tag, an dem ich ihm die Wahrheit sagen werde, wortlos geht und sich nicht einmal mehr umdreht.

Die Wahrheit. Wahrheit ist für jeden etwas anderes. Selbst ein schöner Junitag kann für den einen viel zu heiß, für den anderen recht kühl sein und jeder hält sein Empfinden für die Wahrheit. Was also ist Wahrheit? Nicht mehr als ein Empfinden? Eine Sicht der Dinge? Eine Tageslaune?

Meine Wahrheit ist, dass ich liebe. Endlich wieder liebe. Und dass ich lebe. Endlich wieder lebe. Und nie wieder sterben möchte, mitten im Leben.

Ich lebe wieder. Dornröschen ist aufgewacht.

12.4.07 12:42




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